Montag, 20. Oktober 2008

Geschichten eines Reisenden...

Keine Angst..... nicht meine! haha.. ;-)

Gestern war ich auf der Spoken-Word-Tour von Henry Rollins: "Recountdown 2008". Spoken-Word bedeutet gesprochenes Wort, und auch wenn Henry Rollins als einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der alternativen Musikszene der letzte 30 Jahre gilt, so ging es hier eben nicht um Musik. Henry Rollins war früher Sänger der Punk-RockBand "Black Flag", später dann seiner "Rollins-Band". Nebenbei schauspielert er auch ein wenig, aber das hier Wichtige: er lässt seinen Gedanken freien Lauf, schreibt Bücher und tourt um die Welt um in seiner eigenen humorvollen und energetischen Art und Weise von seinen Erlebnissen auf diesem Planeten zu berichten. Mittlerweile übrigens fast 50 und wie auf dem Bild gleich hier unten zu sehen ist: der Mann ist noch in Topform!
Nachdem ich mir seinen Auftritt schon vorgemerkt hatte, und dann damals wegen Geldmangel aus dem Kopf geschlagen hatte, wurde ich dann 30 Minuten vor Beginn de Show durch ein Gespräch mit einem Mitbewohner daran erinnert. naja, und jetzt mit dem Job in der Tasche kann man sich dann auch mal die 30 Euro für so ein Erlebnis leisten. "Recountdown 2008" lautete der Titel der Show und natürlich ging es um die Wahlen 2008. DIE Wahlen 2008. Es ging darum dass das Leben der Palin-Tochter jetzt vorbei sei.... jetzt wo sie schwanger ist und den Jungen heiratet, mit dem sie gleichzeitig ihr erstes Mal hatte. Rollins fragt die Frauen im Publikum: "Denkt an Euer erstes Mal zurück.... Und jetzt stellt Euch vor, ihr wärt mit dem Typen verheiratet! Wie fändet ihr das?!!".
Bei Henry Rollins wechseln Witz und Ernsthaftigkeit ständig ab. 2 Stunden und 35 Minuten lang... Rollins sitzt aber nicht in seinem Heimatort LA vor dem TV und kommentiert dann das Weltgeschehen. Er reist dorthin, zu den bedeutendsten Plätzen der Weltgeschichte, der Vergangenheit und der Gegenwart. So meinte er (sinngemäß), "alle die sich so auf Urlaub freuen, haben doch den flaschen Job. Es geht doch nicht darum sich ständig den Arsch aufzureißen um sich dann in den Ferien davon auszuruhen". Rollins will Abenteuer und er will etwas neues erfahren. deswegen ist er Weihanchten 2007 nach Pakistan geflogen. Als die ehemlaige Premier-Ministerin Benazir Bhutto, die Hoffnugn Pakistans, dort bei einem Anschlag ums Leben kam, war Rollins vor Ort und ging auf die Straßen als dort Block für Block Feuer auf dne Kreuzungen gelegt wurden. Er reist genauso nach irak oder Iran.... Die Orte vor denen uns die Medien und Politiker warnen. Weil es gefährlich ist dort hinzureisen, als Amerikaner, schließlich sind diese Länder Amerika-feindlich. Und hier kommt der entscheidende Punkt: Rollins gibt sich nicht mit einer verfälschten Medienberichterstattung zufrieden, er macht sich selbst ein Bild und geht auf Reisen. Und wie sich herausstellt, sind die Menschen in aller Regel äußerst gastfreundlich, und freuen sich über das Interesse eines Amerikaners an ihrem Land. In Vietnam kommt dazu noch die offene "Schadenfreude" der Menschen. sie machen sich heute über die Amerikaner lustig: die Weltmacht, die es trotz 1000 von Bomben und chemikalien nicht geschafft hat, das kleine Vietnam zu besiegen...
Rollins war in Südafrika um sich hautnah ein aktuelles Bild von Apartheit und Aids zu machen, er interviewt Experten und die Menschen auf der Straße. Reisen bedeutet für ihn jeden Tag ohne Plan aus dem Hotel rauszugehen und dann 3 Möglichkeiten zu haben: geradeaus zu gehen, links zu gehen oder rechts zu gehen. Die Straßen, die Stadt zu erkunden und am wichtigsten: mit den Menschen in Kontakt kommen, ihre Geschichten und vor allem ihre Weltsicht, ihre Sicht auch auf Amerika zu erfahren. Der ultimative Perspektivenwechsel.
Wenn man Rollins zuhört, dann bekommt man Lust zu reisen. Nicht nur weil es schön ist den Grand Canyon mal zu sehen, in New York zu shoppen oder in LA am Strand zu liegen. Sondern vor allem weil einem plötzlich bewusst wird, dass man eben nur die halbe Wahrheit zu hören bekommt, wenn man sich nur auf Geschichtsbücher und Medien verlässt. Und am Ende befindet man sich in dem berühmten paranoiden Zustand, in dem sich so viele Amerikaner im Moment befinden. Rollins hat an diesem Abend aufgezeigt, dass die Isoliertheit der Kulturen nicht nur Schaden anrichtet, sondern dazu völlig unnötig ist. Und alle Kanadier davor gewarnt einen ähnlichen Weg zu gehen...
Ein toller Abend, vor allem wenn man darüber lachen kann, wie Rollins davon erzählt, dass er irgendwann mal in schlimmen Filmen landen wird, weil er sofort jeden Job annimmt ohne sich vorher das Skript durchzulesen. Dann wird er irgendwann an einem Platz in LA auftauchen, wo zwei einsame Menschen mit Kamera herumstehen, um sie nur ganz viele Ziegen... und Rollins wird fragen: "Wisst ihr wo das Set ist? Ich soll für einen Film schauspielern..." Antwort: "Das ist hier". Rollins: "Und wo sind die ganzen anderen Schauspieler, der Regisseur?". - "Ich bin der Regisseur... und du bist der Schauspieler.. und heir sind Ziegen. Hast Du dir nicht das skript durchgelesen?"- "Nein" - "Oh.... Du spielst in dem Film 'Ziegenficker 3' die Hauptrolle!!!".
und Rollins erzählt die Geschichte weiter, und geht weiter ins Detail.... Natürlich finde ich das witzig!!!! Und deshalb war es ein grandioser Abend....

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

.........mensch, das ist doch ein noch nicht entdeckter Ethnologe, der schön die emische Perspektive der Leute vor Ort zu erfassen versucht, sich nicht auf Sekundärquellen (Medien, Politiker)verlässt, den Kontakt der Menschen vor Ort sucht...hahaha;) und damit ist das mal wieder ne Bestätigung, dass ich mir das richtige Studium rausgesucht habe!!;) UND:mein momentanes Reise/ Fernweh nur deshalb da ist, weils da sein muss(!), weil ich Ethnologin at heart bin/ sein werde!;)haha
Freu mich auf deine Begleitung beim ethnologiesieren...nein, Feldforschung nennt man sowas!, aber am besten klingt wohl einfach Reisen!!:)