Mittwoch, 12. November 2008

Konzert! Oder: vom Aussterben des Pogo...



Am Sonntag Abend war es wieder so weit: eins der wenigen Konzert-Highlights in Vancouver! Rise Against, Alkaline Trio, Thrice und the Gaslight Anthem rockten ein ganzes Stadion (eigentlich das Basketball/Eishockeystadion für die Uni-Mannschaft). Und wie man vom Rise Against-Frontmann zu hören bekam: das erste Rock-Konzert in dieser Halle!

Los ging es mit einem schrecklichen Anblick: Gaslight Anthem begannen einigermaßen pünktlich, und da die Kanadier nicht ganz so pünktlich sind, vor nur 20% gefüllter Halle. Man konnte sogar einen leichten Widerhall hören. Sehr traurig muss der Anblick wohl für die Inhaber eines Sitzplatzes, weit weg von der Bühne, gewesen sein: im Stehplatzbereich gaaaanz viel Platz, und trotzdem muss man auf seinem Sitz verharren. The Gaslight Anthem spielten sich aber sofort in die Fan-Herzen, und großer Applaus machte eine zum Großteil (noch) leere Halle vergessen.


Thrice überzeugten (wie immer) als grandiose Live-Band (siehe kurzes Video, nur um einen Eindruck von der Energie zu vermitteln. Den Sound vom Video kann man vergessen), vor allem Dank einer überzeugenden Setlist. So kamen zumindest ein paar schnellere Songs aus den alten Zeiten, was sogleich die Fan-Base zum Pogo antrieb. Ich hielt mich noch zurück (Kräfte sparen für später), fühlte mich aber an alte Zeiten erinnert: vor etwa, puuh, 6 (?!!) Jahren war ich mit Max und Co in Schweinfurt auf einem Thrice-Konzert. Kleine Bühne, kleiner Raum, und ganz ganz viele Menschen. Tropisches Klima, viel Bewegung auf wenig Raum, und alle hatten ihren Spaß.

Als drittes stand Alkaline Trio auf der Bühne, und ich freut mich schon auf fröhlichen Pogo mit fröhlichen Punk-Rock-Fans (die anders als Fans aus dem Metal/Hardcore-Bereich eher tanzen als schlagen). Nun ja, auch wenn nicht geschlagen wurde, trotz dem antreibenden Sound: zu viel Geschubse anstatt Bewegung. Aber das Schlimmste: trotz riesiger Arena und Bodenfläche, machten die stehenden Zuschauer nur minimal Platz für die “pogenden” Fans. Und die kanadischen Fans wussten sich nicht zu helfen und sprängne eher in Richtung Bühne (wo 3 Reihen eh schon gepresst standen) anstatt etwas mehr Druck nach hinten zu machen und sich etwas Platz zu verschaffen. Nun gut, Pogo viel zu eng, zu wenig Bewegungsfreiheit, zu wenig Dynamik.

Der Headliner war Rise Against und auch hier ein ähnliches Bild. Dutzende, ja Hunderte wohl, dicht gedrängt vor der Bühne, anstatt, dass man nicht gleich etwas Platz lässt für den Moshpit bzw die Leute die dem entgehen wollen, sich etwas weiter hinten anstellen. So hat es erstmal 15 Mintuen gedauert bis sich ein Moshpit gebildet hatte, und ich kam mir fast vor wie beim KORN-Konzert vor 5(?!) Jahren beim Highfield-Festival (einmalig, oder?! Max, Kriz?). Bis zu diesem Zeitpunkt bin ich aber fröhlich mit ein paar ca. 16 jährigen Kiddies etwas abseits der Bühne auf kleinem Raum herumgehupft. Was mich auch wieder an “gute, alte Zeiten” erinnert hat... nur Spaß, keine Aggression. Als sich dann so langsam Freiraum für “dynamischere Bewegungen” gebildet hatte, ging's los.... Moshpit so wie's sein soll.... oder doch nicht?! Es stießen einem jedenfalls gleich die glorreichen Helden des Moshpits ins Auge. 3 Hobby-Bodybuilder mit nacktem Oberkörper, ein kleiner Karate-Asiate ganz in schwarzen Klamotten abgerundet durch kleine Kampfhandschuhe (oder waren es nur schwarze Radlerhandschuhe?). Abseits hatte sich noch ein kleineres Pit gebildet, wo nicht ganz so aggressiv erscheinende Genossen umhersprangen. Ich wechselte zwischen der harten und der “Light-Variante”, aber egal wo man war, eins wurde klar: die Menschen haben den Pogo verlernt! Nur die wenigsten wollten sich dynamisch zur Musik bewegen, tanzen und herumspringen. Nein, heutzutage steht und läuft man lieber herum, und schubbst sich gegenseitig. Wer ist der Stärkste im ganzen Moshpit? Meist ist es derjenige der am meisten einem Sumoringer ähnelt, und der darf sich dann auch ganz großartig fühlen war er so alles mit seiner Masse anstellen kann. Ob die steigenden Übergewichtsraten in der “modernen, westlichen Welt” direkt mit dem Qualitätsabfall im Moshpit zusammenhängen?! Ich werde es wohl nie herausfinden. In jedem Fal wurde einmal mehr klar: desto größer das Konzert, desto mehr Idioten, sogar relativ unabhängig vom Musikstil.

Das war natürlich jetzt eine begrenzte und sehr fehlleitende Perspektive. Denn das Konzert war insgesamt suuuper, und auch das pogen im Pit hat Spaß gemacht. Es ist ja auch nicht so dass man sich nicht zu helfen weiß... aber wie viel schöner hätte es mit angenehmeren Moshpit-Mitstreitern sein können!!
Nun gut, ich frage mich sowieso wer diesen Beitrag bis zum Ende durchliest, bei all dem Konzert-Fachvokabular... ein kleiner Test:
Hallo Jürgen, vielen Dank für Deinen Kommentar und vor allem dass Du Dich um meine Post kümmerst! :-) Leider hab ich Deine Email Adresse nicht gespeichert und kann mich nicht melden, und würde mich daher sehr freuen wenn du mir in aller Kürze schreibst um was es geht. Danke!!

Und zum Abschluss, noch ein echtes Highlight: schaut Euch das T-Shirt an, von einem Fan mit dem ich ins Gespräch gekommen bin!! Bemerkenswert ist noch, dass ich zu diesem Zeitpunkt das T-Shirt noch gar nicht sehen konnte weil er sein Rise-Against-Shirt darüber gezogen hatte...
und übrigens: nur wenig Fotos, und schlechte Qualität, weil: meine eigentliche Kamera ist kaputt gegangen. Andere Geschichte... in Zukunft gibt es wohl mehr Videos. Meine Multi-Funktionskamera macht nämlich nur sehr unbefriedigende Bilder....

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Hallo Hanjo,
vielleicht haben die Kanadier ja noch nie richtig gepogt oder es ist vielleicht Zeit etwas neues zu kreieren.

Liebe Grüße aus dem kühlen Bayreuth